GEFANGEN in Puchheim - Ausstellung zum Kriegsgefangenenlager

Puchheimer Kriegsgefangenenlager 1914-1921.

Historische Ausstellung


Am 18. Oktober 1914 wurden die ersten französischen Kriegsgefangenen auf dem ehemaligen Flugfeld in Puchheim untergebracht, das im Laufe des 1. Weltkriegs zum größten Kriegsgefangenenlager in Südbayern ausgebaut wurde. Dieses für Puchheim wichtige Ereignis vor 100 Jahren dokumentierten Erich Hage und Ellen Echtler, Mitglieder des Arbeitskreises Flugfeld, in einer historischen Ausstellung, die vom 16. Mai bis 1. August 2014 im Puchheimer Kulturcentrum PUC zu sehen war.

Anhand zahlreicher bisher unveröffentlichter Dokumente und Fotografien wurde das Leben der Kriegsgefangenen veranschaulicht, unter anderem ihre Unterbringung in Baracken, ihre Ernährung in Zeiten des Mangels, die Seelsorge für die Mitglieder von 5 Religionsgemeinschaften und die Freizeitgestaltung durch selbst verfasste französische Theaterstücke.

Die von Kriegsgefangenen durchgeführten Arbeiten bei der Kultivierung der Mooslandschaften haben bis heute Spuren hinterlassen, wie die „Russenbrücke" in Gröbenzell. Zahlreiche in Folge der Spanischen Grippe verstorbene russische Soldaten sind auf dem „Russenfriedhof" in Puchheim begraben. Kriegsgefangene aus Puchheim arbeiteten in ganz Oberbayern, die Ausstellung verriet, an welchen Orten.

Natürlich mussten die Kriegsgefangenen auch bewacht werden: die Lagerkommandanten, einige Lagerärzte und Offiziere wurden vorgestellt. So vermittelte die Ausstellung ein anschauliches Bild vom Alltag der Kriegsgefangenen und Wachsoldaten und regte zu einer historischen Spurensuche in Puchheim an.

 

 

Der feierliche Festakt zur Eröffnung fand am 16. Mai 2014 im PUC statt.  Die Ausstellung war zu den Öffnungszeiten des Kulturamtes zu besichtigen.

 

Wie bereits bei der Ausstellung zum Flugfeld Puchheim, wurden historische Daten, Aufnahmen und Fakten auf Schautafeln und Objekte des Kriegsgefangenenlagers in Schauvitrinen gezeigt.

Das PUC schätzt sich sehr glücklich, dass für die Gestaltung der Schautafeln, des Begleitbuches zur Ausstellung sowie aller Printmedien Studierende der Media Design Hochschule München gewonnen werden konnten. Einen Eindruck der exzellent gestalteten Grafiken erhalten Sie im folgenden Abschnitt:

 

Zeitzeichen zwischen Beschleunigung und Stillstand

Puchheimer Kriegsgefangenenlager 1914-1921.

Kunstausstellung

 

Unter dem Arbeitstitel „Zeitzeichen zwischen Beschleunigung und Stillstand“ setzten sich Studierende der Mediadesign Hochschule München zeitgleich mit dem Thema Kriegsgefangenenlager Puchheim künstlerisch auseinander.

Das Flugfeld Puchheim, der erste Flugplatz Bayerns, der bis zu 50 000 Besucher angelockt hatte, wurde 1914 in ein Kriegsgefangenenlager umgewandelt. Kein europäisches Land stand vor 1914 stärker im Bann der Geschwindigkeit als Deutschland. Die Bellé Epoche war eine aufregende Zeit voller Ideen, in der alles, was das 20 Jahrhundert ausmacht, schon gegenwärtig war. Sie endete 1914 und ging in eine andere gewaltige Dynamik über – eine kriegerische Auseinandersetzung ungeahnten Ausmaßes. Das Puchheimer Gefangenenlager wurde für 25 000 Kriegsgefangene aus Russland und Frankreich zum Ort des Stillstandes, abgeschnitten von den folgenreichen Entwicklungen der Zeit, aber auch abseits der Fronten des Krieges. Dieser Kontrast – die Entwicklung einer neuen Freiheit durch die schnelle, erhabene Bewegung in der Luft und die demoralisierende Erfahrung der Gefangenschaft – ist Teil der Aufgabenstellung eines Studienprojektes. Anlässlich des 100. Jahrestages des Kriegsbeginns 1914 beschäftigen sich Studierende der Mediadesign Hochschule München mit diesem Ort und der Geschichte dieser Zeit. Die entstandenen Arbeiten, die sich im Grenzbereich zwischen Typografie und Kunst bewegen, wurden auf Einladung des Puchheimer Kulturcentrums in einer Ausstellung auf der PUC-Galerie gezeigt.

Medien zur Ausstellung

Begleitbuch zur Ausstellung
Begleitbuch zur Ausstellung

Begleitbuch zur Ausstellung:

Im VOLK-Verlag ist das Begleitbuch zur Ausstellung "Gefangen in Puchheim" von Erich Hage und Ellen Echtler erschienen (ISBN 978-3-86222-148-6). Inhaltlich liefert es umfassend recherchiertes Material zur Puchheimer Geschichte und zusätzliches Hintergrundwissen, Tatsachenberichte und Fakten des Kriegsgefangenenlagers.

Das Buch kostet 14,90 Euro und ist im PUC-Kulturamt und im Buchhandel erhältlich.

 

 

 

 

Video-Blog:

Der Schaukasten Puchheim zeigte am 28.05.2014 eine Lesung im Rahmen der Ausstellung „Gefangen in Puchheim“. Die Lesung ist eine Collage aus historischen Texten rund um das Kriegsgefangenenlager Puchheim sowie aus literarischen und lyrischen Texten rund um den 1. Weltkrieg. Alle Autoren der künstlerischen Texte sind im Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg ums Leben gekommen – teilweise nur einen Tag nach Fertigstellung ihres Werkes. Die Autoren: Walter Flex („Der Wanderer zwischen beiden Welten“), Alfred Lichtenstein (div. Gedichte), Georg Trakl („Grodek“). 

Diese Lesung wurde etwas gekürzt in einem Video-Blog verfilmt, der auch Einblicke in die Ausstellung „Gefangen in Puchheim“ gibt. Dieser Video-Blog besteht aus mehreren kurzen Teilen und wurde ab dem 01.07.2014 täglich auf dem Kulturblog des puc (www.kultur-puchheim.de) veröffentlicht. Bis zum 01.08.2014, an welchem die Ausstellung mit der Finissage um 19 Uhr endete, wurden alle 31 Teile veröffentlicht. Der Video-Blog wurde von Matthias Horbelt hergestellt. Textredaktion: Johannes Kalwa. Leser: Joseph Zawadzki, Matthias Horbelt.

 

 

Zurück zur Übersicht